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Drug Checking

 

Kokain Auswertung 2017

2017 wurden im Drogeninformationszentrum (DIZ) 808 als Kokain deklarierte Proben zur Analyse abgegeben; gleich viele wie 2016. Bei den mobilen Drug-Checkings, welche 2017 in der Stadt Zürich an verschiedenen Partys durchgeführt wurden, sind 93 als Kokain deklarierte Proben abgegeben und analysiert worden. Die hier veröffentlichten Ergebnisse sind nicht repräsentativ für den gesamten Substanzmarkt der Stadt Zürich.

Risikoeinschätzung
Neben den bekannten Nebenwirkungen und dem grossen psychischen Abhängigkeitspotential von Kokain bedeutet das nach wie vor häufige Auftreten von Levamisol als pharmakologisch wirksames Streckmittel, vor allem für regelmässig Konsumierende, ein schwer abschätzbares Gesundheitsrisiko. Dabei handelt es sich weniger um akute Nebenwirkungen, sondern v.a. um Langzeitfolgen wie beispielsweise eine Schwächung des Immunsystems. Dabei fällt auf, dass oft auch Proben mit hohem Kokaingehalt Levamisol enthielten. Neben Levamisol stellt der stark schwankende Kokaingehalt ein oft unterschätztes Konsumrisiko dar. Je höher der Kokaingehalt, desto grösser die Gefahr einer Überdosierung. Hochdosiertes Kokain stellt eine starke Belastung für den Herz-Kreislauf dar und kann unter gewissen Umständen und körperlichen Voraussetzungen einen Herzinfarkt auslösen. Kokain Safer Use.

Kokaingehalt 2017
Grafik 1 stellt die Kokain*HCl1-Werte von 2007 – 2017 dar. Der durchschnittliche Kokaingehalt der im DIZ und bei den mobilen Drug-Checkings getesteten Proben betrug 2017 78.8 % Kokain*HCl. Im Vergleich zum Vorjahr ist eine Zunahme von 2.1 %2 festzustellen. Der Kokaingehalt der analysierten Proben variierte stark und lag zwischen 0.1 % und 100.0 % Kokain*HCl. Bei den im DIZ getesteten Proben lag der durchschnittliche Kokaingehalt bei 79.0 %, bei den mobilen Drug-Checkings bei 77.3 %.

 

1 Kokain liegt in Pulverform ausschliesslich als Salz (Hydrochlorid) vor.
2 Die Differenzen im Vergleich zum Vorjahr werden im Folgenden jeweils in Klammern angegeben.

Pharmakologisch wirksame Streckmittel 2017

Bei Kokain handelt es sich meistens um ein Gemisch aus Kokain und einem oder mehreren Streckmitteln. Ein Teil dieser Streckmittel ist pharmakologisch nicht wirksam (z. B. Laktose, Stärke, Zellulose). Diese haben keine zusätzlichen psychischen und/oder physischen Auswirkungen beim Konsum. Häufig werden die Streckmittel jedoch so gewählt, dass ein höherer Kokaingehalt vorgetäuscht und/ oder eine Wirkungsverstärkung/ -verlängerung hervorgerufen wird. Dass Strychnin oder Rattengift als Streckmittel benutzt werden, lässt sich aus unseren Analyseergebnissen nicht bestätigen; es handelt sich dabei wohl eher um einen Mythos.

2017 waren 37.8 % aller Kokainproben, welche im DIZ und an den mobilen Drug-Checkings zur Analyse abgegeben wurden, mit mindestens einer pharmakologisch wirksamen Substanz gestreckt. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil an Kokainproben, welche pharmakologisch wirksame Streckmittel enthielten, um 17.3 % zurückgegangen. Am Häufigsten wurde, wie bereits 2016, Levamisol (32.0 % der Proben) und Phenacetin (6.0 %) beigemischt. Weitere gängige Streckmittel waren Lokalanästhetika und Koffein.

Grafik 2 zeigt die Entwicklung der am häufigsten vorkommenden Streckmittel seit 2007 auf.

In einzelnen Proben wurden bis zu vier verschiedene pharmakologisch wirksame Streckmittel analysiert. Am häufigsten enthielten die Proben ein (29.3 %) oder zwei (6.5 %) pharmakologisch wirksame Streckmittel. 1.9 % der Proben enthielten drei oder vier verschiedene pharmakologisch wirksame Streckmittel.

Im Folgenden werden die häufigsten im Jahr 2017 analysierten pharmakologisch wirksamen Streckmittel in Kokain und deren Risiken und Wirkungsbeeinflussung beschrieben.

 

Grafik 1

Kokainproben gruppiert nach dem Kokaingehalt in %, 2007 – 2017 (N=4‘326)

Tabelle 1: Vergleich mobiles Drug-Checking und DIZ

Vergleich Kokaingehalt und unerwartete Streckmittel im DIZ und bei mobilen Drug-Checking 2017

Nachfolgend werden einige Eckdaten der beiden Drug-Checking Angebote gegenübergestellt. Damit können, wo vorhanden, angebotsspezifische Unterschiede verdeutlicht werden.

Grafik 2

Streckmittel in analysierten Kokainproben, 2007 – 2017 (N=4‘326)